In der IMO Deutschland Gruppe arbeiten wir zur Zeit an der Frage des Lernweges, der über den Dialog stattfindet. Was ist damit gemeint? Es beginnt mit einer Frage. Eine Frage öffnet einen Weg, einen Prozess. Diese Frage bespreche ich im Dialog mit der Kollegin oder dem Kollegen, mit dem Freund oder der Lebenspartnerin. Im Dialog passiert immer ganz viel. Man spricht, hört zu, denkt nach, verlangsamt, engagiert sich. Man bringt seine Gefühle und Empfindungen mit ein. Man erzählt von Beispielen aus der Vergangenheit. Es leuchtet die eigene Biographie auf. Die bringe ich mit ein: meine Erfahrungen, auch die unverarbeiteten. Die Andere bringt ihre eigenen, auch teils leidvollen Erfahrungen mit ein. Der Dialog erweitert sich zu einer wesentlichen Begegnung. Freundschaft kann entstehen oder sich vertiefen. Ein nächster Schritt kann gefunden werden. Die Frage löst sich vorerst auf und erweitert sich zu einer neuen Frage.

In der IMO Deutschland Gruppe forschen wir an diesem Prozess. Was spielt sich da alles ab? Wo leuchtet der Einzelne und seine biographische Erfahrung auf, wo entsteht Gemeinschaft? Wo leuchten Schicksalsfragen auf, welche auf die sich entwickelnde Biographie deuten? Die menschliche Biographie kann verständlicher werden, wenn wir auf den Sieben-Jahres Rhythmus schauen. Es ist ein Unterschied ob jemand eine Führungsposition hat und 35 Jahre alt ist, oder ob jemand 54 Jahre alt ist. Gelingt es uns, wenn wir älter werden, also Richtung 50 und darüber hinaus, loszulassen und unsere Kräfte ganz der Anderen und ihrer Entwicklung zur Verfügung zu stellen? Sind wir in der Lage, die jüngere Generation wirklich zu verstehen und ihr zu helfen, nicht an den Älteren zu verzagen? Bin ich in der Lage, bestimmte typische biographische Situationen zu verstehen und einzuordnen: zum Beispiel die sogenannte Midlife-Krise, so um das Alter 42 herum, oder ein beruflicher Wechsel um die 49 herum, oder die verschiedenen sogenannten Mondknoten, mit ca. 18 2/3 Jahren, mit 37, und dann wieder mit 56? Die Mondknoten sind ja besonders interessant, weil hier der tiefere Sinn des eigenen Lebens aufleuchten kann, also die karmische Aufgabe.

Solche und ähnliche Fragen stellen wir uns und führen darüber Dialoge, um uns selbst und unsere beruflichen Situationen und Aufgaben besser zu verstehen. Man kann es auch so formulieren: Was ist aktuell meine Führungsfrage? Wo stehe ich gerade, was wird von mir gefordert, welchen Entwicklungsschritt kann ich jetzt tun? Der Dialog als Lernweg ist dazu ein wunderbares Hilfsmittel.